Teilnahme an einem Projekt zum Schutz von Nashörnern gegen Wilderei in Südafrika
Ausgangssituation:
Die im Jahre 2016 lebenden 20.000 Breitmaulnashörner im südlichen Afrika stammten von 130 überlebenden Exemplaren aus dem Jahr 1961 in der südafrikanischen Provinz Kwazulu Natal ab.
In Asien d. h. China und besonders Vietnam wird pulverisiertes Horn von Nashörnern als Potenzmittel verwendet. Da das Körperteil aber aus dem gleichen Material wie Haare, Fuß- und Fingernägel besteht, ist die Wirkung gleich Null. Das wurde bereits durch wissenschaftliche Studien bestätigt. Die Nachfrage ist in den letzten Jahren dennoch stark angestiegen. Meldungen über sinnlos abgeschlachtete Nashörner in den Medien (im Jahr 2015 über 1000 Tiere) machten mich so wütend, dass ich dagegen persönlich etwas tun wollte. Und schließlich fand ich nach intensiver Suche über Google ein geeignetes Projekt und entschied mich einen Teil meines Jahresurlaubs zu verwenden, um vom 18.03. bis zum 01.04.2016 daran teilzunehmen.
In Südafrika gibt es neben den staatlichen Schutzgebieten private Reservate (Wildfarmen), die ihr Geld mit der Zucht und dem Verkauf von Wildtieren, Vergabe von Jagd-Lizenzen, Tourismus und Freiwilligendienst verdienen. Wegen der Wilderei wollen viele Eigentümer privater Schutzgebiete ihre Nashörner verkaufen. Der Schutz der Tiere ist schwierig und teuer. Zusätzlicher Druck entsteht, weil in Nationalparks (z. B. Krüger-Nationalpark) professionelle Antiwilderer-Einheiten Wilderer besser abschrecken.
Auf einem privaten Reservat mit einer Größe von 16.000 Hektar im Kuduland-Reservat in der südafrikanischen Provinz Limpopo begann daher im Juni 2013 der Ire Niall Beddy ein Projekt zum Schutz von Breitmaulnashörnern vor Wilderei. 2015 kam der Südafrikaner Francois Meyer hinzu und als Projekträger wurde die Organisation Wild Heart Conservation ins Leben gerufen. Das Projekt bekam den Namen „Mutogomeli“, was auf Deutsch Wächter bedeutet. Die Überwachung erfolgte mit Volontären.
2 Nashörner wurden in dem Reservat von Wilderern bereits getötet: Je 1 Bulle 08/2013 und 07/2015. Ein vergeblicher Tötungsversuch erfolgte 02/2016. Hier bestand die Vermutung, dass der Aufenthalt der Nashörner von Beschäftigen der Farm an die Wilderer ging. Derzeit leben 3 weibliche Nashörner und ein Kalb im Reservat.
Projektinhalt:
Morgens und abends wird der Aufenthaltsort der Nashörner ermittelt. Hierzu haben die Nashörner einen Sender am Hinterbein mit einer Radiofrequenz. Mit Telemetrie wird versucht die Nashörner vom Geländewagen aus oder falls ohne Erfolg von einem Berg aus zu orten.
Patrouillenfahrten sollen Wilderer abschrecken. Auf allen Fahrten im Reservat wird versucht Fußspuren von ortsfremden Personen zu entdecken. 5 Nächte vor und nach Vollmond sind besonders kritisch, weil hier Wilderer die Nashörner leichter entdecken können. Durch nächtliche Patrouillenfahrten und den Einsatz einer Drohne sollen aber auch dann Wilderer abgeschreckt werden. Volontäre nehmen an den Nachtfahrten nicht teil.
In der zurückliegenden Dürreperiode gelang es den Projektleitern durch Fütterung mit Heuballen die Tiere an sich und das Fahrzeug zu gewöhnen. So können die Nashörner von unsicheren Orten wie z. B. vom Zaun des Reservates weggelotst werden.
In den 2 Wochen, während ich an dem Projekt teilnahm, habe ich 3 platte Reifen erlebt. Einmal sind wir im Bachbett stecken geblieben und ebenfalls einmal ist uns im Gelände der Sprit ausgegangen. Einmal wurde frühmorgens eine Person in dem Reservat gesehen, die vermutlich in der nachts die Lage sondiert hat. Gewildert wurde in der Zeit zumindest nicht.
Ein besonderes Erlebnis war, dass ich den Tieren so nahe gekommen war, wie man es als Safaritourist nie erleben kann. Ich konnte die urige Schönheit von Rhinozerossen so richtig genießen.
Dass das Projekt erfolgreich ist, zeigt sich daran, dass ein Versuch im Februar verhindert wurde. Der Wilderer wurde entdeckt und ist geflohen. Zwar habe ich habe ein tiefes Gefühl der Zufriedenheit, etwas ganz Konkretes für das Überleben der Nashörner getan zu haben, aber die Gefahr, dass die Nashörner durch Wilderer getötet werden, besteht nach wie vor.
Ausblick:
An dem Projekt nehmen zu wenige Volontäre teil. Die meisten Volontäre für ökologische Projekte in Südafrika haben mehr das Erleben der Natur als den Naturschutz im Kopf. Außerdem schreckt viele ab, dass in dem Reservat zu bestimmten Jahreszeiten auch gejagt wird. Manche haben auch Angst, dass man Wilderern begegnet. Dies ist aber unbegründet, weil diese durch die Anwesenheit von anderen Menschen in Fahrzeugen abgeschreckt werden. Außerdem ist man als Volontär nicht nachts unterwegs. Es sind also weitere Volontäre sind gesucht, vor allem junge Leute.
Das Enthornen, das schmerzfreie Absägen der Hörner, wurde ebenfalls diskutiert. Dadurch sollen die Nashörner weniger attraktiv für Wilderer werden. Hierbei spielen auch Diskussionen eine Rolle, die in Südafrika es zur Legalisierung des Handels mit Rhinozeros-Horn gibt. Durch den Verkauf der Hörner könnte der Schutz der Nashörner finanziert werden.
Weitere Informationen unter
http://www.whconservation.co.za/
office@whconservation.co.za







